Kategorie-Archiv: Kunst und Web 2.0

art 2.0 unterstützt das stARTcamp Köln

Social Web ist schön, macht aber viel Arbeit.” Im Rahmen des stARTcamps Köln am 7. Oktober 2011 stehen neue Arbeitsformen, Kollaboration, Coworking, Crowdsourcing, Crowdfunding sowie Fragen der Organisation von Social Media im Mittelpunkt. art 2.0 unterstützt das Mashup aus BarCamp und Konferenz.

Als Veranstaltungssatellit zur stARTconference richtet sich das stARTcamp an Kulturschaffende, Künstler, Kultureinrichtungen und Vertreter aus der Kulturwirtschaft.

stARTcamp Blog
stARTcamp auf facebook
stARTcamp auf Twitter

art 2.0 Abend: Plunderphonics

Copyright und Culture Jamming mit verbotener Musik

1985 verwendet der kanadische Komponist John Oswald den Begriff “Plunderphonics” in einem Aufsatz mit dem Titel: “Plunderphonics, or Audio Piracy as a Compositional Prerogative”. Oswald beschreibt mit dem Begriff ein kompositorisches Verfahren, welches im engeren Sinn als ‘Sampling’ gedeutet werden kann. Doch geht die ‘Klangplünderei’ weiter und zugleich tiefer: Der Fundus existierender Tonaufnahmen – einschließlich reiner Sprachaufnahmen – wird analysiert, zerlegt, temporal bearbeitet und wieder neu zusammengesetzt. Die neuen Werke bestehen zudem komplett aus Fremdmaterial. Es wird nicht verwundern, dass Oswald mit dem Copyright in Konflikt geriet. Sein 1989 erschienenes Album “Plunderphonics” mit weitgehenden Bearbeitungen – wenn man dies so noch zu nennen wagt – von Beethoven, Strawinsky, den Beatles, James Brown, Michael Jackson und anderen wurde auf Initiative der kanadischen Tonträgerindustrie verboten. Ab und an kursiert das Album jedoch zum Download im Netz, wie jüngst auf UbuWeb.

Auch Negativland ist subversiv. Die amerikanische Rockband wurde insbesondere im Zuge der Veröffentlichung einer Single mit dem Namen “U2″ bekannt. Das Cover zierte eine Aufnahme des Bombers mit den bildfüllendend unterlegten Zeichen “U2″; klein darunter “Negativland”. Die Aufnahme verarbeitete u. a. den U2-Song “I Still Haven’t Found What I’m Looking For” in Form einer parodistischen Audio-Collage. Island Records setzte ein Verbot der Single durch, mit welcher in Plattenläden ganze Schaufenster tapeziert wurden, weil dort brennend die neue Scheibe der irischen Weltrockband erwartet wurde. Doch diese öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung ist eher Oberflächengekräusel: Von jeher setzte sich Negativland kreativ, lustvoll, kritisch und subversiv mit der uns umgebenden (kapitalistischen) Kultur auseinander. Sie waren es auch, die den Begriff des “Culture Jamming” als Kunstform prägten: Werbung und Markenkommunikation wird gegen den Strich gebürstet, enttarnt, unterlaufen, angeeignet.

Dies alles sind genug Gründe für art 2.0, einen Abend lang gemeinsam etwas über Oswald und Negativland zu erfahren, Videos anzusehen und Musik zu hören.

Termin: Mittwoch, 29. Juni 2011 Einlass: 19 Uhr, Beginn: 19:30 Uhr

Ort: V8 Galerie, Mohrenstraße 2, D–50670 Köln

Anfahrt: http://maps.google.de/maps?f=q&hl=de&q=Mohrenstrasse+2,+50670+Koeln&sll=50.092393,10.195313&sspn=20.908939,33.354492&ie=UTF8&z=16&om=1&iwloc=addr

Einen Artikel zu John Oswald gibt es im Blog von Martin Butz.

Expertenabend mit Florian Kuhlmann am 10. Mai 2011

art 2.0 freut sich sehr, am 10.5.2011 Florian Kuhlmann begrüßen zu dürfen.
“Er publiziert als Autor im Netz, hält im In- und Ausland Vorträge über seine Arbeit, bloggt, twittert, facebookt und vernetzt sich, er gestaltet riesige digitale Collagen am Rechner, stellt sie unter Creative Commons Lizenzen ins Netz, zeigt diese und andere Arbeiten in Blogs und Magazinen weltweit, machte ganze Ausstellungen im Cyberspace und organisierte Happenings und Performances in Secondlife und per Videolivestream im Netz.
Er beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren auf unterschiedliche Weisen mit den Auswirkungen von Netz und Digitalisierung auf die Gesellschaft”

Florian wird über aktuelle Aspekte der Netzkunst und Netzkultur sprechen.

Termin: Dienstag, 10. Mai 2011. Beginn 19:30 Uhr.
Ort: sym.net, Hansaring 78, 50670 Köln
Ecke Weidengasse, schräg gegenüber S- und U-Bahnhaltestelle Hansaring.

Der Eintritt ist frei. Bitte kurz per E-Mail anmelden wegen der Sitzplätze.

Vortragsabend: Good Copy, Bad Copy

Termin: Donnerstag, 25. November 2010, Beginn 19:30 Uhr
Ort: sym.net, Hansaring 78, 50670 Köln

Unterhaltsam-kritische Betrachtungen zum Copyright mit Martin Butz – für alle Konsumenten, Prosumenten und Produzenten kreativer Werke.

Im digitalen Zeitalter geraten Schöpfer kreativer Leistungen schnell in Konflikt mit dem Copyright bzw. Urheberrecht, nach dem hierzulande über Gebrauch und Missbrauch geistiger Werke geurteilt wird.

Helene Hegemann bedient sich für ihren hochgelobten Roman Axolotl Roadkill an Bloggerzitaten, die FAZ-Redaktion versteht den Umgang mit Creative Commons Lizenzen nicht und nun behauptet Rafael Horzon, Helene Hegemann sei die Ghostwriterin seines jüngst erschienen Werkes “Das weiße Buch”. Das ist nicht verboten, aber wem genau und auf welche Weise nützt das Urheberrecht eigentlich? Wo liegt der Unterschied zwischen Urheberrecht und Copyright? Und inwiefern ist es möglich, etwas wirklich Originäres zu schaffen – bauen wir nicht alle aufeinander auf?

“Vom kreativen Zweifel an immateriellen Eigentumsrechten” erzählt Martin Butz in seinem Vortrag “Good Copy, bad Copy” und nimmt uns nach der Premiere auf der Cologne Commons Konferenz erneut mit auf eine Reise durch die Geschichte des Copyrights vom antropofagischen Manifest über The Verve’s Bittersweet Symphony bis hin zur Anleitung von Florian Freier, wie man einen Gursky einfach selber macht.

Eintritt frei, Anmeldung erwünscht an orga(at)art-zweinull.de

Version 1.0 bei den Cologne Commons – Konferenz & Festival  für digitale Kultur

Antropofagia – Plädoyer für eigenartiges Lernen

Session auf dem BildungsCamp zu Wissen und Lernen im digitalen Zeitalter von Martin Butz.

Der Vortrag stellt ein geplantes aber bislang noch nicht durchgeführtes Kunstprojekt des französisch-brasilianischen Künstlers Roberto Cabot vor. Dabei soll der Film “How Tasty Was My Little Frenchman” (1971) des brasilianischen Regisseurs Nelson Pereira dos Santos auf das Copacabana Palace Hotel in Rio de Janeiro projeziert werden. Damit wird das koloniale Bauwerk für die ‘antropophagische Geschichte’ des Films gleichsam missbraucht und wiederangeeignet.

Das Kunstprojekt dient im Vortrag als Beispiel, um den Begriff der “Antropofagia” einzuführen. Dieses Konzept einer emanzipatorischen Kulturtechnik ist bekannt geworden durch Oswald de Andrade, der die brasilianischen Künstler 1928 in seinem antropophagischen Manifest 1928 zur produktive Aneignung der (kolonialen) Dominanzkultur auffordert: “Der Brasilianer als kultureller Kannibale, der gierig fremdes Kulturgut verschlingt, es mit eigenen Elementen vermengt und als etwas Verändertes wiedergibt.” (Alexander J. Wahl)

Ich verstehe die ‘Antropofagia’ als Metapher, die eine Art der Weltaneignung beschreibt. Die anthropophagische Art zu Lernen entsteht aus einer vermeintlichen oder realen Unterlegenheit gegenüber den Gegenstand des Interesses oder besser: der Art und Weise, wie dieser nach der dominanten Ideologie zu verwenden ist. Indem der vormalige Kontext einer Sache ignoriert, die Gebrauchsanweisungen und Nutzungsverbote missachtet worden sind, verleibt sich der (metaphorische) Antropophage den Gegenstand seines Interesses ein: Die Sache wird neu gedeutet, egoistisch mit Sinn belegt. Analoge und ähnlich Konzepte hierzu: Mashup, Bricolage, Eklektizismus, Synkretismus, Remixing, sweded version.

Der Vortrag versammelt weiterhin Beispiele unterschiedlichen Art, die in mehr oder weniger großen Anteilen im oben genannten Sinn ‘anthropofagisch’ sind.

Präsentation als PDF zum Download (1,9 MB) Antropofagia – Plädoyer für eigenartiges Lernen

Übersicht Sessions BildungsCamp

Open Source Filme

2. art 2.0 Lichtspielabend

Big Bug BunnyAm 22.4.2009 fand der 2. Lichtspielabend der art 2.0 statt. Das Format präsentiert in unregelmäßigen Abständen Film- und Videokreationen unserer digitalen Kultur. Diesmal hatten wir uns des Themas “Open Source Filme” angenommen.

Open Source Filmproduktion – was ist das?

Die freie Produktion von bewegten Bildern in professionellem Rahmen ist ein neues und vielschichtiges Phänomen: Jenseits einer eindeutigen Definition lassen sich die folgenden Spielarten und Charakteristiken in unterschiedlichen Mischungen beobachten:

  • Gemeinschaftliche Vorproduktion: Eine Community beteiligt sich an der Erstellung des Drehbuchs, recherchiert Hintergründe und berät bei der Realisation von anspruchsvollen Visualisierungen. Kurz, alles was ein Filmteam bewerkstelligen muss läßt sich mehr oder weniger in der Zusammenarbeit mit einer Community bewerkstelligen. Beispiel: Valkaama
  • Produktion von Filmmaterial: Eine Community dreht kurze Filme und Videoclips, aus dem die Initiatoren ein komplettes Produkt herstellen. Oftmals wird auch hier die Community in vielfacher Weise über die bloße Zulieferung von ‘footage’ beteiligt. Beispiel: Lost Zombies
  • Technische Realisierung: Vor allem im Animationsfilmbereich liegt es nahe, Teile oder den gesamten Film mit Open Source Software zu produzieren. Das Endprodukt wird damit auch zum Beleg der Leistungsfähigkeit der eingesetzten Software. Beispiele Elephants Dream, Big Bug Bunny und der Einsatz der 3D-Software Blender.
  • Verfügbarkeit, Wiederverwendung und Vertrieb: Die strenge Definition sieht vor, das sowohl das Gesamtwerk als auch dessen einzelne Bestandteile 1. unter einer freien Lizenz verfügbar sind, also ohne die üblichen Einschränkunen weitergegeben und verwurstet werden können. 2. muss das Material in frei zugänglichen Formaten zugänglich sein. Das bedeutet im Falle von Animationen beispielsweise: 3-D-Modelle und Texturen stehen zum Download bereit und können Grundlage einer neuen Produktion werden. Eines der wichtigsten Lizenzmodelle – nicht nur zur Lizensierung freier Filme – ist die Creative Commons. Wer mehr über dieses Lizenzkonzept wissen möchte, der schaue sich diese Einführung zum Thema an.
  • Finanzierung und Geschäftsmodelle: Auch kostenfreie zur Verfügung gestellte Inhalte kosten Geld. Wie weit im übrigen die Kostenfreiheit für den Zuschauer geht, ist Sache des Refinanzierungsmodells. Tim Baumann – Autor einer akademischen Arbeit zum Thema – nennt hier u. a. die folgenden Varianten:
    • Merchandising: Verkauf von Gütern aller Art rund um einen (Kult-)Film

    • Support Seller: z. B. Aufwertungen des Films in Form von Verpackung, Booklets, Untertitelungen, Soundtrackts usw. rechtfertigen den Verkaufspreis

    • Sell it, Free it: Der Film wird erst verkauft, später als Open Source veröffentlicht

    • Product Placement: zu Deutsch ‘Schleichwerbung’ für Produkte oder Dienstleistungen im Film

    • Versioning: z. B. niedrig aufgelöste Version frei erhältlich, höherwertige Formate bepreist.

    • Crowdfinancing und Donation: Die Community dienst als Investor, entweder im Vorfeld oder nach Produktion und Veröffentlichung des Werkes

Wer eine kurze und intelligente Einführung zum Thema Open Source Filme haben möchte, dem empfehlen wir diesen Beitrag des Elektrischen Reporters.

Die Unterscheidung zwischen Autor und Publikum

Walter Benjamin, deutscher Philosoph und Gesellschaftstheoretiker, schrieb 1936 in seinem berühmten Kunstwerkaufsatz:

“Jeder heutige Mensch hat einem Anspruch, gefilmt zu werden. Diesen Anspruch verdeutlicht am besten ein Blick auf die geschichtliche Sitation des heutigen Schrifttums. Jahrhundertelang lagen im Schrifttum die Dinge so, daß einer geringen Zahl von Schreibenden eine vieltausenfache Zahl von Lesenden gegenüberstand. Darin trat gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ein Wandel ein. Mit der ungeheuren Ausdehnung der Presse, die immer neue politische, religiöse, wissenschaftliche, berufliche, lokale Organe der Leserschaft zur Verfügung stellte, gerieten immer größere Teile der Leserschaft – zunächst fallweise – unter die Schreibenden. Damit ist die Unterscheidung zwischen Autor und Publikum im Begriff, ihren grundsätzlichen Charakter zu verlieren.”

Nun – dass Benjamin nur vom “Anspruch gefilmt zu werden” und nicht etwa vom “Anspruch zu filmen” sprach, verwundert nicht weiter: Hätte er damals das Internet gekannt und hätte er eine HDTV-fähige Kamera für wenig Geld und und mit wenig Fachwissen handhaben können, hätte Benjamin anders formuliert. Enscheidend ist jedoch, dass Benjamin die modernen Medien (dazu zählte damals auch die Fotografie und das Radio) und deren Nutzung durch die Masse grundsätzlich positiv sieht (ganz im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen). Youtube, der Open Source Film und andere Medienmanifestationen, die das Internet zum Teil verstärkt, zum Teil erst ermöglicht hat, repräsentieren vor diesem Hintergrund eine Form der Medienaneignung durch die Massen, der traditionelle Modelle zur Informationsverteilung und Entäußerung heftig infrage stellt.

Was wäre wenn es Holly-, Bolly- und die anderen Woods nicht mehr gäbe?

Susanne Gaschke leitartikelt in der Zeit vom 23.04. zur Verurteilung von Betreibern der Filesharing-Plattform Pirate Bay:

“Die Ideologen eines ‘befreiten Wissens’ mögen der Meinung sein, die elitäre ‘etablierte’ Kunst könne so leicht durch das unlektorierte Mitteilungsbedürfnis der Nutzermassen ersetzt werden wie der professionelle Journalismus durch Jedermann-Reporter; YouTube-Filmchen seien ohnehin kurzweiliger als großes Kino. Welche intellektuelle Finsternis droht uns, wenn sie sich irren?”

Ja, welche? Das ist eine wirklich gute Frage. Die notwenige Diskussion, wie wir mit Konzepten von Wissen, Patentrecht, Allmende, Copyright und digitaler Rechteverwaltung umgehen sollen, wird hier mit einer arroganten Haltung abgewürgt . Die Journalistin prognostiziert die Intellektuelle Finsternis:

Wenn wir es zulassen, dass die herkömmlichen Produktions- und Vertriebsmodelle von Musik-, Film- und der gesamten restlichen Kulturindustrie von Youtube & Co infrage gestellt werden, dann versinken wir in den Tiefen einer niveaulosen Massenkultur, in der sich jeder Hinz & Kunz zum Kulturproduzenten aufspielt.

Dass man mich hier nicht falsch verstehe: Ich wende mich nicht gegen die berechtigte Forderung, das intellektuelle Eigentum von Künstlern und Autoren zu schützen. Unangenehm ist jedoch der Reflex der bildungsbürgerlicher Arroganz, mit dem die hohe Kultur vor dem Aneignung durch die Massen geschützt werden soll und Qualität nur durch etablierte Kanäle gesichert scheint.

Noch einmal Benjanim: „Kultur ist die Beute, die die Herrschenden hinter sich herschleifen“. In diesem Sinn: Viel Spass mit Open Source Filmen und Youtube! (mb)

Links:

Alle Bookmarks zum Lichtspielabend „Open Source Filme“ wurden bei Bibsonomy abgelegt und über Tags zu thematischen Gruppen versammelt. Die Kollektion wird laufend erweitert:

Presseinfo 1. KIU-Kunstpreis

Erster KIU-Kunstpreis geht an Oliver Held

Köln, 03.06.2008. Im Rahmen der Finissage zur art 2.0-Ausstellung hat die Kölner Internet Union (KIU) am Freitag, den 30. Mai 2008, Oliver Held für seine Aktion Cookie mit dem 1. KIU-Kunstpreis ausgezeichnet. Der Publikumspreis ging an die Onlineredakteure der FH Köln für ihre Arbeit 4YEO-Lebenswelt_Computer. Mit mehreren hundert Gästen bei den Veranstaltungen und über 15.000 Besuchern im Netz war das Kunstprojekt art 2.0 als Experiment zur Vernetzung von Experten der Bereiche Technologie, Kommunikation und Kunst ein voller Erfolg und wird 2009 fortgeführt.

Das Kunstprojekt art 2.0 setzt sich mit dem Web 2.0, seinen technischen Ansprüchen, seiner gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung auseinander. Im November 2007 rief der Berufsverband der Kölner Internetunternehmen KünstlerInnen aus Stadt und Region dazu auf, ästhetische Antworten auf die Frage „Was ist das Web 2.0?“ zu finden.

Eine fünfköpfige Jury nominierte aus den zahlreichen Einsendungen acht Arbeiten, die vom 15. bis 30. Mai 2008 in einer Ausstellung in den Räumen des KIU-Mitgliedsunternehmens sym.net zu sehen waren. Zusätzlich fanden verschiedene Themenabende zur Beleuchtung von Relevanz und Perspektiven des Web 2.0 statt. art 2.0 begründete damit im Kölner Raum eine einzigartige Plattform für Kunst im digitalen Zeitalter.

„Das Netz ist der größte öffentliche Raum mit den kürzesten Entfernungen“, erklärt Oliver Held. Eine Verbindung zur Nicht-Virtualität zu schaffen, war die Idee hinter der Aktion Cookie: Am 5. Mai 2008 verließ der Künstler sein Atelier in Ehrenfeld und startete mit einem Skateboard zu sechs Bürgerämtern der Stadt Köln. Das Blöde: er kann gar nicht Skateboard fahren. Also war er auf die Mithilfe freundlicher Passanten angewiesen, die ihn ein Stück ziehen. Insgesamt 22 km legte Oliver Held zurück und erreichte bereits nach zwei Tagen sein Ziel. Auf dem Weg geknüpfte Bekanntschaften dokumentierte Oliver Held mit Fotos, einem Videofilm und in einem Tagebuch. Die Aktion und dazugehörige Installation überzeugten die Jury. Sie prämierte die Aktion Cookie mit dem ersten KIU-Kunstpreis, der mit 1.000 Euro dotiert ist.

Als typisches Web 2.0-Element griff die art 2.0-Ausstellung das Tagging auf. Alle Besucher waren aufgefordert, ihre spontanen Assoziationen zu den Arbeiten auf Post-Its zu hinterlassen. Eine neue Form des Dialogs zwischen Künstlern und Besuchern, inspiriert durch Marcel Duchamps Aussage „Der Betrachter vervollständigt das Kunstwerk.“ Insgesamt wurden 409 Zettel verklebt, 109 davon zur Arbeit 4YEO-Lebenswelt_Computer von den Onlineredakteuren der FH Köln. Sie erzielten damit den Publikumspreis.

Das Kunstprojekt art 2.0 fand in diesem Jahr zum ersten Mal statt und wurde mit Ausnahme einiger Sachspenden komplett durch die Kölner Internet Union finanziert. Für 2009 haben bereits mehrere Sponsoren ihr Interesse angemeldet. art 2.0 ist ein Open Source-Konzept, das gerne von Firmen und Institutionen anderer Städte übernommen und adaptiert werden darf.

Über Oliver Held

Oliver Held war u.a. Meisterschüler bei Prof. Lutz Mommartz an der Kunstakademie Münster und hat seit 1994 bereits zahlreiche Videos, Videoobjekte und Installationen z.B. in Chicago, Amsterdam, Düsseldorf und Münster präsentiert. Mehr Informationen unter http://www.oliverheld.net.

Über die Kölner Internetunion

Die Kölner Internet Union (KIU) ist 1999 aus privater Initiative entstanden und vertritt als lokaler Berufsfachverband die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Behörden, Großunternehmen und Politik. Die Mitglieder sind Internet- und Kommunikationsunternehmen mit insgesamt mehreren hundert Mitarbeitern und einem Gesamt-Jahresumsatz in der Größenordnung von zweistelligen Millionen-Beträgen. Mit em Projekt art 2.0 möchte die KIU ihr Engagement auf den kulturellen Bereich ausweiten und gleichzeitig mehr Nähe schaffen zwischen Technologie, Kommunikation und Kunst.

Nominierte Künstler:

Christiane Lünskens: Blog/Doku zum Projekt „305to226“
Stephan Brenn: Drahtkunst zum Begriff „Alltag“
Onlineredakteure FH Köln: Projekt „4YEO-Lebenswelt_Computer“
Florian Kuhlmann: Digitale Malerei „spectaculartakeoverbattle“
Renate Goretzki: Multimedia-Projekt „Sequenz“
Maximilian Erbacher: Installation „New Folksonne”
Oliver Held: Aktion „Cookie“

Kontakt:

Kerstin Neurohr und Franziska Andrä (neurohr & andrä GbR)
Tel. 0221 – 82 91 880, info(at)na-komm.de

Anja Zielke (AZ KOMMUNIKATION)
Tel. 0170 – 38 37 945, orga(at)art-zweinull.de

Gewinner 1. KIU-Kunstpreis Oliver Held

Foto: KIU-Vorsitzender Jürgen Walleneit überreicht den 1. KIU-Kunstpreis an Oliver Held im Rahmen der Finissage zur art 2.0-Ausstellung am 30. Mai in Köln.

Zum Download des Fotos in höherer Auflösung bitte anklicken.

Copyright: Christopher Pattberg

Publikumspreis

Tag zu tagmeifyoucan.com409 Tags sind im Verlauf der art 2.0-Ausstellung von den Besuchern zu den acht ausgestellten Arbeiten vergeben worden. Das Projekt 4YEO-Lebenswelt_Computer von den Onlineredakteuren der FH Köln bekam die meisten bunten Zettelchen und damit den art 2.0-Publikumspreis. Wir gratulieren!

Die genaue Auswertung:

109 Tags für 4YEO-Lebenswelt_Computer von den Onlineredakteuren der FH Köln

65 Tags für die Drahtkunst-Projektion zum Begriff “Alltag” von Stephan Brenn

61 Tags für die Installation zur Aktion Cookie von OliverHeld

38 Tags für das Multimedia-Projekt Sequenz von Renate Goretzki

32 Tags für die digitale Collage spectaculartakeoverbattle von Florian Kuhlmann

30 Tags für das Blog-/Dokuprojekt 305to226 von Christiane Lünskens

28 Tags für die Installation New Folksonne von Maximilian Erbacher

Es ist eröffnet!

Martin im TagprozessEs ist zwar schon ein paar Tage her, aber die tolle Eröffnung der art 2.0-Ausstellung soll hier nun doch noch ihre Erwähnung finden. Über 100 Gäste kamen, um sich die für den 1. KIU-Kunstpreis nominierten Arbeiten anzuschauen. Gut angekommen ist auch das Tagging: nicht nur zu den Kunstwerken, auch sonstige Assoziationen, Meinungen und Gedanken wurden eifrig auf Zettel geschrieben und großzügig in den Räumen verklebt.

Danke an alle, die dabei waren und für einen guten Abend gesorgt haben.

Wer sie noch nicht gesehen hat: Es gibt auch Bilder von der Vernissage online zu sehen.