Kategorie-Archiv: Neues aus der Netzwelt

Smarte Algorithmen

Mittlerweile wählen sie Bücher für uns aus, sagen uns, wieviel wir essen dürfen, welche Geschäftsstrategie die beste ist, und geben Tipps, wo wir am besten ausgehen können, wenn wir (nur) unseresgleichen treffen wollen. Die smarten Algorithmen. Miriam Meckel, Evgeny Morozov und andere machen darauf aufmerksam, dass wir mit dem Denken auch die Verantwortung und Selbstbestimmung aufgeben. Zumindest tendenziell.

Wahrscheinlich ist es nicht umsonst so, dass die Lehre von den smarten Zielen ein wichtiges Kriterium unterschlägt: Ziele – wie zum Beispiel: “Lass uns einen smarten Algorithmus entwickeln, der uns sagt, was wir wollen” – müssen ökologisch sein. Die entscheidende Frage dabei ist: Welchen Preis muss ich bezahlen, wenn ich das Ziel erreicht habe? Was verliere ich dadurch?

Wie dem auch sei: Was wir nicht an smarte Algorithmen deligieren sollten, dass ist das Nachdenken über die ökologischen Folgen, die es hat, wenn wir das smarte Denken nicht mehr selbst übernehmen. (mb)

„Social Web ist schön – macht aber viel Arbeit!“ – Das stARTcamp Köln geht in die zweite Runde

Auch in diesem Jahr unterstützt art 2.0 das stARTcamp Köln.

Was sind die typischen Aufgaben eines Social Media Managers und wie sehen seine täglichen Herausforderungen aus? Mit ihren Veranstaltungen zu Arbeitsbedingungen und Strategien im neuen Berufsfeld von Social Media haben die Macherinnen des stARTCamp Köln bereits in der Vergangenheit die Kulturszene zusammengebracht.

Für das kommende stARTcamp in der Karl-Rahner-Akademie setzen sie erneut auf eine Durchmischung von Internetexperten und Kulturschaffenden. Für letztere hat der Umgang mit Social Media erheblich an Bedeutung gewonnen, da immer mehr Museen, Theater, Verlage und andere Institutionen aus dieser Branche ihre Auftritte in den sozialen Netzwerken planen.
Was allgemein für das Berufsbild „Social Media Manager“ gilt, stellt für den Kulturbereich eine große Herausforderung dar: Es gibt kaum festgeschriebene Standards und gerade in der Kultur müssen sich vor allem Quereinsteiger mit den Anforderungen dieses neuen Arbeitsfeldes beschäftigen.

„Den perfekten Social Media Manager für den Kulturbereich muss man sich schon selber basteln.“
Mit diesem kleinen Augenzwinkern erstellen Wibke Ladwig (Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt), Ute Vogel (frau Vogel Design) und Anke von Heyl (Kultur Event Büro) beim stARTcamp Köln eine Anleitung hierfür.

Das 2. stARTcamp Köln legt einen Schwerpunkt auf das nötige Handwerkszeug für den erfolgreichen Einsatz von Social Media. In den einzelnen Sessions dieser als Barcamp (Unkonferenz) konzipierten Veranstaltung sollen die Teilnehmer zu Themen wie „Community Management“, „Content Marketing und Strategien“ oder „Online-Redaktion“ miteinander diskutieren. Die Organisatorinnen liefern mit dem stARTcamp einen einen wesentlichen Programmpunkt in der Kölner Internetwoche.

Das stARTcamp Köln findet am 14. September 2012 in der Zeit von 9 bis 18 Uhr in der Karl-Rahn-Akademie unweit des Neumarkts statt.

Der Verkauf des 2. Ticketkontingents beginnt am 27. August.

Weitere Informationen – auch zur Anmeldung – finden sich unter http://startcampk.posterous.com

Kooperation mit der C’n'B

Mit der neuen C’n'B – CREATIVE BUSINESS CONVENTION, die vom 23. – 25. Juni 2010 in Köln stattfinden wird, entsteht das erste international ausgerichtete Forum für die Kreativwirtschaft.

C'n'B

Technik und Business, Trends und Visionen, Wissen und Verstand – und die richtigen Köpfe am richtigen Ort. Auf der C’n'B lernen Sie innovative Perspektiven und das neueste aus dem globalen Think Tank kennen und Sie treffen die Entscheider und Ingenieure der Content-, Medien- und Entertainmentwelten von morgen. Hier geht es um das Vernetzen, um das Erleben neuer Impulse und darum, Mitstreiter zu finden.
Spiele-Entwickler und Film-Regisseure treffen auf Kommunikationsagenturen, Musiker und Business Developer auf Plattform-Betreiber, Webagenturen und Fashiondesigner auf Lifestylemarken, Künstler und Forscher auf Manager.

Die Veranstalter laden ein, die Herausforderungen und Chancen des digitalen Zeitalters gemeinsam anzugehen: voneinander Lernen, miteinander Sprechen und Handeln. Allgemeingültige Themen wie die fortschreitende Digitalisierung werden diskutiert und in neuartigen Netzwerkformaten vertieft. Eingebettet ist die C’n'B in das c/o pop Festival.

PROGRAMM und SPEAKER:
Erleben Sie Christiana Falcone Sorrell, World Economic Forum, im Gespräch mit Zukunftsforscher und Querdenker Paul Owens über Kreativität und Business. Hier wird mit Steve Blame über die Kunst des Scheiterns diskutiert und wie Scheitern zum Erfolg eines Unternehmens beitragen kann. Programmhighlights der fast 50 Veranstaltungen werden unter anderem die Interviews mit Sido, Andy McClusky und Busy P sein, die intime Einblicken in Ihr Leben und Arbeiten geben werden, ebenso wie die Vorträge von Produzent und ehemaligem MSNBC-Chef Brian Storm und Oprah Winfrey Networker Robert Tercek, zwei Big Player und Vordenker der globalen Medienlandschaft. Der ehemalige Pink Floyd Manager Peter Jenner, Modedesignerin Eva Gronbach und viele andere werden aus ihrem reichen Erfahrungsschatz schöpfen und hier werden unterschiedliche Möglichkeiten zur Vernetzung zu anderen Branchen geboten – wie durch das exklusive Matchmaking.

Resumée – art 2.0-Expertenabend: Was ist relevant für die Wikipedia?

Wikipedia unter Beschuss

Es gab und gibt viel Kritik um Wikipedia und die Frage, warum Artikel gelöscht werden, und was es denn mit den sogenannten “Relevanzkriterien” auf sich hat.

Am 01.04. folgte Tim Bartel der Einladung von art 2.0 und berichtete über diese und andere Fragen. Tim ist im Vorstand der Wikimedia, einer Organisation, “die Freies Wissen fördert”. Er ist langjähriger Wikipedianer, und als solcher war er der ideale Referent für diesen Abend.

Relevanzkriterien sind Orientierungshilfen

Eine wichtige Sache, die ich begriffen habe, will ich hier gleich am Anfang vorzeigen: Relevanzkriterien sind eher Orientierungshilfen und weniger Türsteher: Wenn sich eine Autorin die Frage stellt, ob eine Person, eine Sache oder was auch immer in die Wikipedia hineingehört, beraten die Relevanzkriterien.

Achim Raschke, von Hause aus Zoologe und langjähriger Autor einer Vielzahl von Artikeln, gab das folgende Beispiel: Es gibt derzeit in etwa 20.000 beschriebene Tierarten in der Wikipedia; dies gegenüber einer geschätzten Millionenanzahl auf der Welt. Lebewesen sind immer relevant. Er selbst wie auch die Mitautoren haben also noch viel Arbeit und können die Relevanz ihres Themenbereichs als gegeben voraussetzen.

Konsens über Relevanz?

Auch wenn Relevanz grundsätzlich subjektiv ist – wie Tim weiter ausführte -, so teilen wir doch eine gewisse Vorstellung darüber, was in die Wikipedia gehört und was nicht:

Die Bundeskanzlerin, der Dekan einer Universität und die Professorin mit einem gewissen Bekanntheitsgrad für ihre Forschungen – all diese Personen sind als Bestandteil des öffentlichen Lebens relevant, was den Eintrag in einer Enzyklopädie anbelangt. Demgegenüber verlangen wir vernünftigerweise nicht, dass es einen Artikel über die studentischen Hilfskräfte oder gar jeden einzelnen Studenten einer Hochschule geben solle. Öffnungszeiten eines Museums, Sendezeiten von Fernsehserien oder aktuelle Veranstaltungen sucht man weniger in der Wikipedia; das Museum und seine Bedeutung innerhalb der Museumslandschaft, Episodenlisten bekannter Serien oder die Erwähnung eines regelmäßig stattfindenden Musikfestivals mit überregionaler Bedeutung hingegen schon. Hier greifen Relevanzkriterien wie Prominenz, Dauerhaftigkeit und öffentliche Bekanntheit.

Inklusionisten und Exklusionisten

Einigkeit herrscht darüber, dass die Wikipedia nicht die ‘Welt noch einmal’ ist. Ihr ausgewiesener enzyklopädischer Anspruch gebietet, das Wissen unserer Zeit zu kartografieren. Streit gibt es jedoch immer schon und immer noch über die Frage, wo eine solche Grenze zu ziehen ist. Hier stehen die sog. Inklusionisten den Exklusionisten gegenüber. Erstere plädieren für ein möglichst umfassendes Lexikon – extreme Inklusionisten akzeptieren jedes Artikelthema, solange es sich nicht um vandalistische Einträge handelt (“Herr Müller ist doof und stinkt.”). Exklusionisten möchten die Artikelanzahl tendenziell beschränken, um die Qualität und Wartbarkeit zu erhöhen. Im Extremfall soll die Wikipedia zum besseren Brockhaus werden.

Tims salomonische Lösung: Irgendwo in der Mitte treffen. Mit anderen Worten: Die Diskussion um die Relevanz ist notwendig, erwünscht und völlig normal. Das Problem ist lediglich, dass die zuweilen ruppigen Diskussionen und schliessliche Löschung von Artikeln, die gemäß der Relevanzkriterien nicht in die Wikipedia gehören, eine Vielzahl gerade neuer Autoren frustrieren und von der weiteren Mitarbeit abschrecken.

Relevanz und Qualität

Auf den ersten Blick erscheinen manche Relevanzkriterien bürokratisch, kleinlich und willkürlich: “Ein Musikfestival ist relevant, wenn es mindestens einmal 10.000 Besucher verzeichnen konnte oder es über mindestens zehn Jahre von mehr als 5000 Personen besucht wurde.” Allerdings sind sämtliche Kriterienkataloge Ergebnis einer Diskussion, die von den Wikipedianern geführt wurde und geführt wird. Dies sind meist Autoren des jeweiligen Fachgebiets. Damit beantworten die Relevanzkriterien oft nicht nur die Frage, worüber in der Wikipedia geschrieben werden kann und soll, sondern geben auch Aufschluss darüber, welche Informationen ein Artikel mindestens enthalten muss und auf welche Weise diese abgesichert sein müssen. Relevanzkriterien sind gleichzeitig auch Qualitätskriterien.

Ganz wichtig: Auch die derzeit gültigen Relevanzkriterien haben z. T. diverse Löschanträge überstanden, entsprechen somit dem Konsens einer Fachgemeinschaft und bleiben trotzdem ständig im Fluss und prinzipell änderbar.

Als Ergänzung kann ich sehr die einführende Selbstbeschreibung der Wikipdia sowie einen Blick in die Relevanzkriterien empfehlen.

Es bleibt ein herzliches Dankschön an Tim Bartel, die aktive Zuhörerschaft und … die Wikipedia.

Der Vortrag ist als Video verfügbar. (Leider in nicht optimaler Qualität. Wir arbeiten daran …)

Open Source Filme

2. art 2.0 Lichtspielabend

Big Bug BunnyAm 22.4.2009 fand der 2. Lichtspielabend der art 2.0 statt. Das Format präsentiert in unregelmäßigen Abständen Film- und Videokreationen unserer digitalen Kultur. Diesmal hatten wir uns des Themas “Open Source Filme” angenommen.

Open Source Filmproduktion – was ist das?

Die freie Produktion von bewegten Bildern in professionellem Rahmen ist ein neues und vielschichtiges Phänomen: Jenseits einer eindeutigen Definition lassen sich die folgenden Spielarten und Charakteristiken in unterschiedlichen Mischungen beobachten:

  • Gemeinschaftliche Vorproduktion: Eine Community beteiligt sich an der Erstellung des Drehbuchs, recherchiert Hintergründe und berät bei der Realisation von anspruchsvollen Visualisierungen. Kurz, alles was ein Filmteam bewerkstelligen muss läßt sich mehr oder weniger in der Zusammenarbeit mit einer Community bewerkstelligen. Beispiel: Valkaama
  • Produktion von Filmmaterial: Eine Community dreht kurze Filme und Videoclips, aus dem die Initiatoren ein komplettes Produkt herstellen. Oftmals wird auch hier die Community in vielfacher Weise über die bloße Zulieferung von ‘footage’ beteiligt. Beispiel: Lost Zombies
  • Technische Realisierung: Vor allem im Animationsfilmbereich liegt es nahe, Teile oder den gesamten Film mit Open Source Software zu produzieren. Das Endprodukt wird damit auch zum Beleg der Leistungsfähigkeit der eingesetzten Software. Beispiele Elephants Dream, Big Bug Bunny und der Einsatz der 3D-Software Blender.
  • Verfügbarkeit, Wiederverwendung und Vertrieb: Die strenge Definition sieht vor, das sowohl das Gesamtwerk als auch dessen einzelne Bestandteile 1. unter einer freien Lizenz verfügbar sind, also ohne die üblichen Einschränkunen weitergegeben und verwurstet werden können. 2. muss das Material in frei zugänglichen Formaten zugänglich sein. Das bedeutet im Falle von Animationen beispielsweise: 3-D-Modelle und Texturen stehen zum Download bereit und können Grundlage einer neuen Produktion werden. Eines der wichtigsten Lizenzmodelle – nicht nur zur Lizensierung freier Filme – ist die Creative Commons. Wer mehr über dieses Lizenzkonzept wissen möchte, der schaue sich diese Einführung zum Thema an.
  • Finanzierung und Geschäftsmodelle: Auch kostenfreie zur Verfügung gestellte Inhalte kosten Geld. Wie weit im übrigen die Kostenfreiheit für den Zuschauer geht, ist Sache des Refinanzierungsmodells. Tim Baumann – Autor einer akademischen Arbeit zum Thema – nennt hier u. a. die folgenden Varianten:
    • Merchandising: Verkauf von Gütern aller Art rund um einen (Kult-)Film

    • Support Seller: z. B. Aufwertungen des Films in Form von Verpackung, Booklets, Untertitelungen, Soundtrackts usw. rechtfertigen den Verkaufspreis

    • Sell it, Free it: Der Film wird erst verkauft, später als Open Source veröffentlicht

    • Product Placement: zu Deutsch ‘Schleichwerbung’ für Produkte oder Dienstleistungen im Film

    • Versioning: z. B. niedrig aufgelöste Version frei erhältlich, höherwertige Formate bepreist.

    • Crowdfinancing und Donation: Die Community dienst als Investor, entweder im Vorfeld oder nach Produktion und Veröffentlichung des Werkes

Wer eine kurze und intelligente Einführung zum Thema Open Source Filme haben möchte, dem empfehlen wir diesen Beitrag des Elektrischen Reporters.

Die Unterscheidung zwischen Autor und Publikum

Walter Benjamin, deutscher Philosoph und Gesellschaftstheoretiker, schrieb 1936 in seinem berühmten Kunstwerkaufsatz:

“Jeder heutige Mensch hat einem Anspruch, gefilmt zu werden. Diesen Anspruch verdeutlicht am besten ein Blick auf die geschichtliche Sitation des heutigen Schrifttums. Jahrhundertelang lagen im Schrifttum die Dinge so, daß einer geringen Zahl von Schreibenden eine vieltausenfache Zahl von Lesenden gegenüberstand. Darin trat gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ein Wandel ein. Mit der ungeheuren Ausdehnung der Presse, die immer neue politische, religiöse, wissenschaftliche, berufliche, lokale Organe der Leserschaft zur Verfügung stellte, gerieten immer größere Teile der Leserschaft – zunächst fallweise – unter die Schreibenden. Damit ist die Unterscheidung zwischen Autor und Publikum im Begriff, ihren grundsätzlichen Charakter zu verlieren.”

Nun – dass Benjamin nur vom “Anspruch gefilmt zu werden” und nicht etwa vom “Anspruch zu filmen” sprach, verwundert nicht weiter: Hätte er damals das Internet gekannt und hätte er eine HDTV-fähige Kamera für wenig Geld und und mit wenig Fachwissen handhaben können, hätte Benjamin anders formuliert. Enscheidend ist jedoch, dass Benjamin die modernen Medien (dazu zählte damals auch die Fotografie und das Radio) und deren Nutzung durch die Masse grundsätzlich positiv sieht (ganz im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen). Youtube, der Open Source Film und andere Medienmanifestationen, die das Internet zum Teil verstärkt, zum Teil erst ermöglicht hat, repräsentieren vor diesem Hintergrund eine Form der Medienaneignung durch die Massen, der traditionelle Modelle zur Informationsverteilung und Entäußerung heftig infrage stellt.

Was wäre wenn es Holly-, Bolly- und die anderen Woods nicht mehr gäbe?

Susanne Gaschke leitartikelt in der Zeit vom 23.04. zur Verurteilung von Betreibern der Filesharing-Plattform Pirate Bay:

“Die Ideologen eines ‘befreiten Wissens’ mögen der Meinung sein, die elitäre ‘etablierte’ Kunst könne so leicht durch das unlektorierte Mitteilungsbedürfnis der Nutzermassen ersetzt werden wie der professionelle Journalismus durch Jedermann-Reporter; YouTube-Filmchen seien ohnehin kurzweiliger als großes Kino. Welche intellektuelle Finsternis droht uns, wenn sie sich irren?”

Ja, welche? Das ist eine wirklich gute Frage. Die notwenige Diskussion, wie wir mit Konzepten von Wissen, Patentrecht, Allmende, Copyright und digitaler Rechteverwaltung umgehen sollen, wird hier mit einer arroganten Haltung abgewürgt . Die Journalistin prognostiziert die Intellektuelle Finsternis:

Wenn wir es zulassen, dass die herkömmlichen Produktions- und Vertriebsmodelle von Musik-, Film- und der gesamten restlichen Kulturindustrie von Youtube & Co infrage gestellt werden, dann versinken wir in den Tiefen einer niveaulosen Massenkultur, in der sich jeder Hinz & Kunz zum Kulturproduzenten aufspielt.

Dass man mich hier nicht falsch verstehe: Ich wende mich nicht gegen die berechtigte Forderung, das intellektuelle Eigentum von Künstlern und Autoren zu schützen. Unangenehm ist jedoch der Reflex der bildungsbürgerlicher Arroganz, mit dem die hohe Kultur vor dem Aneignung durch die Massen geschützt werden soll und Qualität nur durch etablierte Kanäle gesichert scheint.

Noch einmal Benjanim: „Kultur ist die Beute, die die Herrschenden hinter sich herschleifen“. In diesem Sinn: Viel Spass mit Open Source Filmen und Youtube! (mb)

Links:

Alle Bookmarks zum Lichtspielabend „Open Source Filme“ wurden bei Bibsonomy abgelegt und über Tags zu thematischen Gruppen versammelt. Die Kollektion wird laufend erweitert:

Web 2.0 – Der Film

Er ist noch im Betastadium, aber eine erste Fassung steht bereits online. Studenten der Hochschule der Medien in Stuttgart haben Statements, Begegnungen und Erklärungen von Gründern, Bloggern und Tim O’Reilly zum Web 2.0 mit der Kamera eingefangen und daraus “Web 2.0 – Der Film” gemacht. Google-Pressesprecher Stefan Keuchel erklärt seine Bedenken zur Umsetzung des Semantischen Web.

http://www.web2null-derfilm.de

Initiative Weblogs

Auf dem Berliner Blogger-Kongress re:publica 08 soll heute eine Arbeitsgemeinschaft für Blog- und Community-Forschung gegründet werden. Zu den Initiatoren gehören der Münchner Soziologe Benedikt Köhler, Macher der Blog-Rangliste Metaroll und Jörg Blumtritt, Forschungschef des Burda-Vermarkters Burda Community Network. Man will die “gesellschaftliche Relevanz” untersuchen und Parameter für die Messbarkeit von Web 2.0-Aktivitäten finden.
Meldung “Initiative will Weblogs erforschen” bei <e>MARKET
Kongress-Website re:publica 08 mit Videos

Prognose Web 2.0 08

Spricht man von der “Zukunft des Web 2.0″, muss man klar unterscheiden von seiner Zukunft als Investition und jene als nützliches Werkzeug zur Kommunikation und Sozialisation.

Business Angel und Web 2.0-Investor Jens Kunath sieht für 2008 das Platzen eines Bläschens voraus (weil es gar nicht soo viele Web 2.0-Investitionen in Deutschland gegeben habe). Eine schöne Zusammenfassung dieser und weiterer Prognosen hat Martin Weigert auf Zweinull.cc veröffentlicht, die sich ebenfalls überwiegend mit dem Web 2.0 als Wirtschaftsfaktor beschäftigen.

Für eigene Visionen oder Ideen zur Entwicklung des Web 2.0 und seiner Bedeutung in der Zukunft empfehle ich die Ergebnisse der internationalen Studie “Delphi 2017 – Future Values – Was uns morgen bewegt” (Dokument ist auf deutsch verfasst). Fünf zukunftsrelevante Grundorientierungen sollen demnach in den nächsten zehn Jahren prägend sein für Lebensbereiche wie Gesundheit, Bildung, Arbeit, Familie und Konsum:

1. Managing „Dutility“: Funktionieren im System

2. Living Substance: Zurück zum Wesentlichen

3. Embedding Individuality: Weniger Ich – mehr Wir

4. Creating „Lifeholder Value“: Gestalten und Partizipieren

5. Engaging in a Sane Society: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung

Siehe dazu auch den Beitrag “Studie: Weniger Ich – mehr Wir” von Klaus Eck im PR Blogger.

Wer bloggt für wen?

Bevor ich mich der Auswertung zu den Web 2.0-Prognosen für 2008 widme, möchte ich ein paar interessante Zahlen zum Thema Blogs zum Besten geben, basierend auf Online-Interviews von TNS Infratest mit 1.102 Personen, veröffentlicht im Oktober 2007:

41% der Blogschreiber (mit eigenem Blog) sind unter 20 Jahre alt

35% der Blogleser sind über 40 Jahre alt

61% nutzen ihren Blog als persönliches Tagebuch (Frauen: 76%)

30% schreiben über Reisen und Urlaub

24% betreiben einen Blog zum Thema Wissen & Lernen

Wer einen Blog hat, ist laut der Untersuchung auch insgesamt sehr aktiv im Internet: 65% nutzen Chat, 58% Instant Messenger, 59% hören Online-Radio, 54% laden Musik herunter und 53% sind Mitglied einer Online-Community. 22% haben bereits ein Video auf einem Portal veröffentlicht.

Welt und Video

In 2006 hat sich die Nutzung von Video-Websites in den USA verdoppelt, das zeigt eine Studie von Pew Internet. Dazu soll auch der Autorenstreik der Drehbuchautoren in Hollywood beigetragen haben, weshalb sogar die Golden Globe Gala ausgefallen war.

Ebenfalls verdoppelt hat sich der Nutzungsanteil von Online-Video in Deutschland von 7% auf 14%, bezogen auf den gesamten Bereich der multimedialen Anwendungen. Das ist ein Ergebnis der aktuellen ARD-ZDF-Onlinestudie, die in 2007 zum 10. Mal durchgeführt wurde. Danach verfügen 40,8 Mio. Deutsche ab 14 Jahren über einen Internetzugang.

Laut Studie nutzen inzwischen nahezu alle Onliner auch das Web 2.0.

47% haben bereits Online-Nachschlagewerke wie Wikipedia genutzt.

34% besuchten Videoportale.

Mit aktiven Beiträgen ist man in Deutschland noch zurückhaltend: nur 6% verfassten eigene Beiträge für Wikipedia, 7% stellten selbst Videobeiträge ein und lediglich 2% schufen sich eine eigene Spielfigur in einer virtuellen Welt wie Second Life. Eine überraschende Zahl, schaffte es der omnipräsente “digitale Maskenball” doch im Febraur 2007 noch auf die Titelseite vom Spiegel.

In China dürfen Online-Videos ab dem 31. Januar 2008 “offiziell nur noch von staatlich kontrollierten Firmen und mit einer ausdrücklichen Genehmigung angeboten werden”, berichtet futureZone ORF.at.