Archiv für den Monat: Dezember 2007

Web Zwonull op Kölsch

Röschen, Schwarzes Etwas, Koellefornia und viele andere Stadtmenschen haben es längst erkannt: dat Web 2.0 ist eine urkölsche Sache. Da bloggt man sich zum Tünnes und glotzt sich bei YouTube zum Schäl. Jede Jeck is anders, ävver mer stonn zesamme.

Auch die Macher sind echt kölsch drauf: „Perpetual Beta“ als Web 2.0-Philosophie, die Software als in einem immerwährenden Entwicklungsstadium befindlich definiert, besagt doch nichts anderes als Artikel 3 des Kölschen Grundgesetzes: „Et hätt noch immer jot jejange“.

Und dann gibt es auch noch die, die gar nicht wissen, was sie tun, wenn sie sagen: „Web 2.0? Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet“, um dann im Ausgehen-Blog zu verschwinden mit dem Gesuch „Drinkste ene met?“ Do laachste dech kapott.

Presseinfo vom 11.12.2007

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Kölner Internet Union veranstaltet art 2.0

Die Kölner Internet Union (KIU) plant ein Kunstprojekt zum Thema Web 2.0: art 2.0. KünstlerInnen aus der Region können bis zum 20.01.2008 Vorschläge für Arbeiten einreichen, die sich mit dem technischen und gesellschaftlichen Phänomen Web 2.0 auseinander setzen. Die Ergebnisse werden im Frühjahr in einer Ausstellung mit Publikumsbeteiligung präsentiert, ergänzend dazu gibt es eine Projekt-Website zur Dokumentation und Diskussion. Höhepunkt der art 2.0 wird die Verleihung des 1. KIU-Kunstpreises sein.

Im Web 2.0 kann jeder zum Autor werden: Internetnutzer kommentieren Texte, geben Bewertungen ab und empfehlen Produkte. Analog zum Web 2.0-Konzept gibt es auch bei art 2.0 nicht nur passive Zuschauer, sondern aktive Nutzer: Neben den Künstlern, die Arbeiten einreichen, werden auch die KIU-Mitglieder einbezogen, ebenso die Ausstellungsbesucher und interessierte Internetnutzer.

Das Projekt art 2.0 beginnt mit einer Tag Cloud. Sie besteht aus Stichwörtern, die die KIU-Mitglieder zum Thema Web 2.0 gesammelt haben. Die Wortwolke dient den Künstlern als erste Inspiration für Kunstwerke, die sich mit dem Web 2.0 auseinander setzen. Bis zum 20.01.2008 können die KünstlerInnen Kurzkonzepte mit ihren Ideen einreichen, die von einer Jury bewertet werden. Die Jury erstellt ein Ausstellungskonzept und entscheidet, welche Künstler eingeladen werden.

Die ausgewählten Arbeiten werden im April 2008 in einem Galerie-Raum in der Kölner Innenstadt ausgestellt. Dort sind wiederum die Besucher aufgefordert, ihre Assoziationen zu den einzelnen Arbeiten in Form von Stichworten (Tags) zu dokumentieren. Parallel zu der Ausstellung werden die Arbeiten im Internet präsentiert. Auch dort werden Tags gesammelt, die wiederum andere Künstler inspirieren sollen – so entsteht eine Plattform zur dauerhaften Auseinandersetzung mit Technologie, Philosophie und Psychologie des Netzes. Im Rahmen einer Abschlussveranstaltung wird der 1. KIU-Kunstpreis verliehen, es soll ein Jury- und ein Publikumspreis vergeben werden.

Die Ausschreibung

Die KIU lädt alle interessierten Künstlerinnen und Künstler aus Köln und der Region ein, sich mit einem Kurzkonzept an der Ausschreibung zu beteiligen. Eine Jury aus Fachleuten der Bereiche Technologie, Kommunikation und Kunst bewertet die eingereichten Vorschläge und wählt aus, welche Künstler zu der Ausstellung eingeladen werden. Zugelassen sind alle Ausdrucksformen der bildenden Kunst, auch Aktionskunst. Projekte sollten jedoch nicht nur im Netz sichtbar und erfahrbar sein (Netzkunst), sondern ihren Ausgangs- und Schwerpunkt in der realen Welt finden. Die Kurzkonzepte können bis zum 20.01.2008 eingereicht werden. Der Jury-Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.

Was ist das Web 2.0?

Der Begriff Web 2.0 beschreibt neue Möglichkeiten und Technologien für das Web, bei denen der Nutzer als Autor im Vordergrund steht. Populäre Beispiele dafür sind Blogs, Podcasts und Communities wie Flickr.com. Typisches Werkzeug im Web 2.0 ist das so genannte Tagging (tags = engl.: Zeichen, Markierung): Nutzer ordnen Bildern, Beiträgen und anderen Web-Inhalten beschreibende Begriffe (Tags) zu. Tags werden im Web als „Wortwolken“ (Tag Clouds) dargestellt. Tag Clouds erleichtern die Recherche nach bestimmten Inhalten im Web.

Wer ist die Kölner Internetunion?

Die Kölner Internet Union (KIU) ist 1999 aus privater Initiative entstanden und vertritt als lokaler Berufsfachverband die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Behörden, Großunternehmen und Politik. Die Mitglieder sind Internet- und Kommunikationsunternehmen mit insgesamt mehreren hundert Mitarbeitern und einem Gesamt-Jahresumsatz in der Größenordnung von zweistelligen Millionen-Beträgen. Mit der art 2.0 weitet die KIU ihr Engagement auf den kulturellen Bereich aus und schafft gleichzeitig mehr Nähe zwischen Technologie, Kommunikation und Kunst.

Der Abdruck bzw. die Verwendung ist honorarfrei. Wir freuen uns über die Zusendung eines Belegexemplars.

Bei Fragen und Interview-Wünschen wenden Sie sich bitte an:

Martin Butz 0173 – 72 66 755
Anja Zielke 0170 – 38 37 945

orga(at)art-zweinull.de

Informationen zum Download:

art 2.0 Ausschreibung
art 2.0 Gesamtkonzept

Öffentliche Ko-Kuratoren

Auch die internationale Kunstszene hat die Vorzüge des Web 2.0 bereits für sich erkannt. Hier zwei Beispiele, beide aus dem Oktober 2006:

MoMa lässt Videos filmen für The Residents
Über die Videoplattform YouTube rief das New Yorker Museum of Modern Art die Öffentlichkeit auf, Videobeiträge zu einem Musiktitel der 1969 gegründeten amerikanischen Avantgarde-Band The Residents online zu stellen.

Saatchi bestellt Öffentlichkeit als Ko-Kuratoren
Die Saatchi Gallery in London konzipierte eine Ausstellung, bei der via Internet von den Besuchern über die Werke abgestimmt wurde. Daraus entstand die Endauswahl der Exponate.

Freund oder Feind?

Das Web im Gemeinen und das Web 2.0 im Speziellen kann Künstlern helfen, bekannt zu werden und ihre Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Creative Commons ermöglichen zusätzlich eine neue Form des Rechtedefinition.

Nun ist aber bald wirklich “jeder Mensch ein Künstler”, wenngleich Beuys bei dieser Vorstellung sicher nicht das Web vor Augen hatte. Als einer der führenden Gegner des Web 2.0 widmet sich Andrew Keen diesem Thema in seinem Buch “the cult of the amateur – how today’s internet is killing our culture”. Seine Thesen werden aktuell wild diskutiert. In einem Interview ließ sich Keen sogar zu der Äußerung hinreißen: “Nicht mal die Nazis haben Künstlern die Arbeit weggenommen.” Lest mehr in den Beiträgen des Weisslog der ZEIT und im Blog von Andreas von Gunten.

189 Mio. mal web 2.0

Zum Begriff Web 2.0 findet Google aktuell 1,59 Mio. Treffer auf deutschsprachigen Seiten, webweit sind es 189 Mio. Am 28.11.2005 waren es noch 574.000 bzw. 19 Mio. Einträge. Diese Zahlen habe ich eben in einem Artikel auf DW World entdeckt.

Zum Vergleich: “Wirtschaft” erzielt aktuell 1,87 Mio. Treffer auf deutschsprachigen Seiten, “Kunst” taucht 2,68 Mio. mal auf.

KIU über Web 2.0

“Was fällt Euch ein zum Web 2.0?” Dieser Frage folgend haben die Mitglieder der Kölner Internetunion ihre Assoziationen zum Web 2.0 gesammelt und in einer Tag Cloud dargestellt.

Die Tag Cloud dient zur Inspiration für Künstlerinnen und Künstler bei der Ausschreibung zum 1. KIU Kunstpreis.

Mit jedem neuen Beitrag auf ART 2.0 können der Wolke Tags hinzugefügt werden.

Wie funktioniert eine Tag Cloud? Jeder Begriff ist verknüpft mit einem oder mehreren Beiträgen, der inhaltlich weiterführende Informationen enthält. Viele Wörter in der Tag Cloud sind bislang nur mit diesem ursprünglichen Beitrag “KIU über Web 2.0″ verknüpft und warten darauf, mit Leben gefüllt zu werden …

Superstar mit Web 2.0?

Kann man mit Web 2.0 ein Superstar werden? Laut der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, einer Kölner PR-Agentur “mit dem Ziel, die Bevölkerung von wirtschaftsliberaler Reformpolitik zu überzeugen”, ja. Sie hat in diesen Tagen ein Buch veröffentlicht mit “50 Entwürfen junger Wissenschaftler von morgen für die Welt von morgen: Deutschlands wahre Superstars”. Darin erklärt Björn Ühss, wie das Web 2.0 unseren Alltag verändert.

Künstlerische Initiativen

Noch während wir an der Entwicklung von ART 2.0 gearbeitet haben, tauchten erstmals Beiträge auf, die ebenfalls den Begriff Art 2.0 nutzten. Hier geht es um eine direkte Verbindung: “Wenn das Web 2.0 Künstler inspiriert”. Es sind einige interessante Links vorgestellt.

Die KIU möchte den Begriff ART 2.0 weiter fassen und zusätzliche Aspekte einbinden. Wir möchten mit Hilfe der Kunst Antworten finden auf Fragen, die sich mit der Entstehung und Nutzung des Web 2.0 entzünden:

Was geschieht, wenn verstreute Datenquellen gebündelt und auf diese Weise präzise Persönlichkeitsprofile erstellt werden?

Ist Google gefährlich?

Wie wirkt der “digital divide”, die Trennung von digitalen und analogen Gesellschaften?

Ich bin gespannt, ob und welche Antworten wir über ART 2.0 finden.