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art 2.0 Abend: Plunderphonics

Copyright und Culture Jamming mit verbotener Musik

1985 verwendet der kanadische Komponist John Oswald den Begriff “Plunderphonics” in einem Aufsatz mit dem Titel: “Plunderphonics, or Audio Piracy as a Compositional Prerogative”. Oswald beschreibt mit dem Begriff ein kompositorisches Verfahren, welches im engeren Sinn als ‘Sampling’ gedeutet werden kann. Doch geht die ‘Klangplünderei’ weiter und zugleich tiefer: Der Fundus existierender Tonaufnahmen – einschließlich reiner Sprachaufnahmen – wird analysiert, zerlegt, temporal bearbeitet und wieder neu zusammengesetzt. Die neuen Werke bestehen zudem komplett aus Fremdmaterial. Es wird nicht verwundern, dass Oswald mit dem Copyright in Konflikt geriet. Sein 1989 erschienenes Album “Plunderphonics” mit weitgehenden Bearbeitungen – wenn man dies so noch zu nennen wagt – von Beethoven, Strawinsky, den Beatles, James Brown, Michael Jackson und anderen wurde auf Initiative der kanadischen Tonträgerindustrie verboten. Ab und an kursiert das Album jedoch zum Download im Netz, wie jüngst auf UbuWeb.

Auch Negativland ist subversiv. Die amerikanische Rockband wurde insbesondere im Zuge der Veröffentlichung einer Single mit dem Namen “U2″ bekannt. Das Cover zierte eine Aufnahme des Bombers mit den bildfüllendend unterlegten Zeichen “U2″; klein darunter “Negativland”. Die Aufnahme verarbeitete u. a. den U2-Song “I Still Haven’t Found What I’m Looking For” in Form einer parodistischen Audio-Collage. Island Records setzte ein Verbot der Single durch, mit welcher in Plattenläden ganze Schaufenster tapeziert wurden, weil dort brennend die neue Scheibe der irischen Weltrockband erwartet wurde. Doch diese öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung ist eher Oberflächengekräusel: Von jeher setzte sich Negativland kreativ, lustvoll, kritisch und subversiv mit der uns umgebenden (kapitalistischen) Kultur auseinander. Sie waren es auch, die den Begriff des “Culture Jamming” als Kunstform prägten: Werbung und Markenkommunikation wird gegen den Strich gebürstet, enttarnt, unterlaufen, angeeignet.

Dies alles sind genug Gründe für art 2.0, einen Abend lang gemeinsam etwas über Oswald und Negativland zu erfahren, Videos anzusehen und Musik zu hören.

Termin: Mittwoch, 29. Juni 2011 Einlass: 19 Uhr, Beginn: 19:30 Uhr

Ort: V8 Galerie, Mohrenstraße 2, D–50670 Köln

Anfahrt: http://maps.google.de/maps?f=q&hl=de&q=Mohrenstrasse+2,+50670+Koeln&sll=50.092393,10.195313&sspn=20.908939,33.354492&ie=UTF8&z=16&om=1&iwloc=addr

Einen Artikel zu John Oswald gibt es im Blog von Martin Butz.

Vortragsabend: Good Copy, Bad Copy

Termin: Donnerstag, 25. November 2010, Beginn 19:30 Uhr
Ort: sym.net, Hansaring 78, 50670 Köln

Unterhaltsam-kritische Betrachtungen zum Copyright mit Martin Butz – für alle Konsumenten, Prosumenten und Produzenten kreativer Werke.

Im digitalen Zeitalter geraten Schöpfer kreativer Leistungen schnell in Konflikt mit dem Copyright bzw. Urheberrecht, nach dem hierzulande über Gebrauch und Missbrauch geistiger Werke geurteilt wird.

Helene Hegemann bedient sich für ihren hochgelobten Roman Axolotl Roadkill an Bloggerzitaten, die FAZ-Redaktion versteht den Umgang mit Creative Commons Lizenzen nicht und nun behauptet Rafael Horzon, Helene Hegemann sei die Ghostwriterin seines jüngst erschienen Werkes “Das weiße Buch”. Das ist nicht verboten, aber wem genau und auf welche Weise nützt das Urheberrecht eigentlich? Wo liegt der Unterschied zwischen Urheberrecht und Copyright? Und inwiefern ist es möglich, etwas wirklich Originäres zu schaffen – bauen wir nicht alle aufeinander auf?

“Vom kreativen Zweifel an immateriellen Eigentumsrechten” erzählt Martin Butz in seinem Vortrag “Good Copy, bad Copy” und nimmt uns nach der Premiere auf der Cologne Commons Konferenz erneut mit auf eine Reise durch die Geschichte des Copyrights vom antropofagischen Manifest über The Verve’s Bittersweet Symphony bis hin zur Anleitung von Florian Freier, wie man einen Gursky einfach selber macht.

Eintritt frei, Anmeldung erwünscht an orga(at)art-zweinull.de

Version 1.0 bei den Cologne Commons – Konferenz & Festival  für digitale Kultur