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art 2.0 Lichtspielabend mit Hacker

Wer ihn (wie wir) im Dezember in der Kölner Filmpalette verpasst hat oder gerne noch mal sehen will, ist herzlich eingeladen zum art 2.0 Lichtspielabend mit dem Film

Hacker – Porträt einer Gegen-Kultur

von Alexander Biedermann

„Alexander Biedermann begegnet fünf Hackern, die unterschiedliche Lebenswege gehen und sich einen Namen in der Hackerszene gemacht haben. Ihre Geschichten sind oft so kurios wie überraschend: Steffen Wernéry und Reinhard Schrutzki gehören zu der ersten Hacker-Generation. Als Pioniere eines neuen Zeitalters entdeckten sie hinter der Telefonbuchse ihres Hobbykellers eine unbekannte Welt. Die Mitbegründer des Chaos Computer Clubs sind die Hacker von damals, die mit dem legendären NASA-Hack von 1987 in Verbindung gebracht werden. Irgendwann holten sie die Ereignisse in Form von staatlichen und gegenseitigen Verdächtigungen ein. Was ist geblieben vom Pioniergeist?“

Mehr Infos und ein Trailer zum Film:
http://www.hacker-film.de/

Termin: Dienstag, 22. März 2011. Einlass 19 Uhr, beginn 19:30 Uhr.

Ort: sym.net, Hansaring 78, 50670 Köln

Ecke Weidengasse, schräg gegenüber S- und U-Bahnhaltestelle Hansaring.

Der Eintritt ist frei. Bitte kurz per E-Mail anmelden wegen der Sitzplätze.

Wir freuen uns auf zahlreiches Erscheinen.

art 2.0 zeigt diesen Film in Kooperation mit der Kölner Internet Union e.V.

Lichtspielabend: art 2.0 zeigt >Das Netz< von Lutz Dammbeck

Im Rahmen der Internetwoche Köln zeigt art 2.0 den Dokumentarfilm >Das Netz< von Lutz Dammbeck

“Was hat Computertechnik mit Hippiekultur, was hat die Mathematik des 20. Jahrhunderts mit Terrorismus, was hat die Bewusstseinsforschung der 50er Jahre mit Paranoia zu tun?
Lutz Dammbecks Dokumentation >Das Netz< entwirft ein komplexes, jederzeit fesselndes, kulturhistorisches Netzwerk über die Beziehungen zwischen Wissenschaft, 60er-Gegenkultur und 90er-Internetszene.” (Telepolis)

Mehr über den Film:
http://www.t-h-e-n-e-t.com

Termin: 16.9.2010
Einlass: 19:30 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Ort: sym.net, Hansaring 78, 50670 Köln
Wegen begrenzter Plätze bitten wir um Anmeldung unter orga@art-zweinull.de
Die Veranstaltung ist kostenfrei.

art 2.0 Lichtspielabend: Good Copy, Bad Copy

Musik aus dem Internet herunterzuladen ist mittlerweile für viele Menschen zur absoluten Selbstverständlichkeit geworden, die Musikindustrie sieht ihre Existenz bedroht. Dienste wie Google News liefern eine individuell zusammengestellte Nachrichtenübersicht, dagegen wehren sich die Verlage.
Allerdings kämpfen nicht alle Urheber um Restriktionen und den Schutz ihrer Werke: Immer mehr Kreative arbeiten beispielsweise mit Creative Commons-Lizenzen, eine Remix-Kultur hat sich entwickelt, Bands stellen ihre Alben kostenlos ins Netz.

Mit dem heiß diskutierten Thema Urheberrecht beschäftigt sich Good Copy, Bad Copy, eine Dokumentation aus Dänemark. art 2.0 zeigt diesen Film (Dauer: 60 Minuten) und lädt zur anschließenden Diskussion ein.

Zeit: Donnerstag, 20. Mai, Einlass 19:00 Uhr, Beginn 19:30 Uhr

Ort: sym.net, Hansaring 78, 50670 Köln.

Anmeldung: Die Veranstaltung ist kostenlos. Die Anzahl der Teilnehmer ist
begrenzt, bitte anmelden! Per E-Mail an Martin Butz, butz@sym.net
oder telefonisch unter 0221 – 37 62 591.

Open Source Filme

2. art 2.0 Lichtspielabend

Big Bug BunnyAm 22.4.2009 fand der 2. Lichtspielabend der art 2.0 statt. Das Format präsentiert in unregelmäßigen Abständen Film- und Videokreationen unserer digitalen Kultur. Diesmal hatten wir uns des Themas “Open Source Filme” angenommen.

Open Source Filmproduktion – was ist das?

Die freie Produktion von bewegten Bildern in professionellem Rahmen ist ein neues und vielschichtiges Phänomen: Jenseits einer eindeutigen Definition lassen sich die folgenden Spielarten und Charakteristiken in unterschiedlichen Mischungen beobachten:

  • Gemeinschaftliche Vorproduktion: Eine Community beteiligt sich an der Erstellung des Drehbuchs, recherchiert Hintergründe und berät bei der Realisation von anspruchsvollen Visualisierungen. Kurz, alles was ein Filmteam bewerkstelligen muss läßt sich mehr oder weniger in der Zusammenarbeit mit einer Community bewerkstelligen. Beispiel: Valkaama
  • Produktion von Filmmaterial: Eine Community dreht kurze Filme und Videoclips, aus dem die Initiatoren ein komplettes Produkt herstellen. Oftmals wird auch hier die Community in vielfacher Weise über die bloße Zulieferung von ‘footage’ beteiligt. Beispiel: Lost Zombies
  • Technische Realisierung: Vor allem im Animationsfilmbereich liegt es nahe, Teile oder den gesamten Film mit Open Source Software zu produzieren. Das Endprodukt wird damit auch zum Beleg der Leistungsfähigkeit der eingesetzten Software. Beispiele Elephants Dream, Big Bug Bunny und der Einsatz der 3D-Software Blender.
  • Verfügbarkeit, Wiederverwendung und Vertrieb: Die strenge Definition sieht vor, das sowohl das Gesamtwerk als auch dessen einzelne Bestandteile 1. unter einer freien Lizenz verfügbar sind, also ohne die üblichen Einschränkunen weitergegeben und verwurstet werden können. 2. muss das Material in frei zugänglichen Formaten zugänglich sein. Das bedeutet im Falle von Animationen beispielsweise: 3-D-Modelle und Texturen stehen zum Download bereit und können Grundlage einer neuen Produktion werden. Eines der wichtigsten Lizenzmodelle – nicht nur zur Lizensierung freier Filme – ist die Creative Commons. Wer mehr über dieses Lizenzkonzept wissen möchte, der schaue sich diese Einführung zum Thema an.
  • Finanzierung und Geschäftsmodelle: Auch kostenfreie zur Verfügung gestellte Inhalte kosten Geld. Wie weit im übrigen die Kostenfreiheit für den Zuschauer geht, ist Sache des Refinanzierungsmodells. Tim Baumann – Autor einer akademischen Arbeit zum Thema – nennt hier u. a. die folgenden Varianten:
    • Merchandising: Verkauf von Gütern aller Art rund um einen (Kult-)Film

    • Support Seller: z. B. Aufwertungen des Films in Form von Verpackung, Booklets, Untertitelungen, Soundtrackts usw. rechtfertigen den Verkaufspreis

    • Sell it, Free it: Der Film wird erst verkauft, später als Open Source veröffentlicht

    • Product Placement: zu Deutsch ‘Schleichwerbung’ für Produkte oder Dienstleistungen im Film

    • Versioning: z. B. niedrig aufgelöste Version frei erhältlich, höherwertige Formate bepreist.

    • Crowdfinancing und Donation: Die Community dienst als Investor, entweder im Vorfeld oder nach Produktion und Veröffentlichung des Werkes

Wer eine kurze und intelligente Einführung zum Thema Open Source Filme haben möchte, dem empfehlen wir diesen Beitrag des Elektrischen Reporters.

Die Unterscheidung zwischen Autor und Publikum

Walter Benjamin, deutscher Philosoph und Gesellschaftstheoretiker, schrieb 1936 in seinem berühmten Kunstwerkaufsatz:

“Jeder heutige Mensch hat einem Anspruch, gefilmt zu werden. Diesen Anspruch verdeutlicht am besten ein Blick auf die geschichtliche Sitation des heutigen Schrifttums. Jahrhundertelang lagen im Schrifttum die Dinge so, daß einer geringen Zahl von Schreibenden eine vieltausenfache Zahl von Lesenden gegenüberstand. Darin trat gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ein Wandel ein. Mit der ungeheuren Ausdehnung der Presse, die immer neue politische, religiöse, wissenschaftliche, berufliche, lokale Organe der Leserschaft zur Verfügung stellte, gerieten immer größere Teile der Leserschaft – zunächst fallweise – unter die Schreibenden. Damit ist die Unterscheidung zwischen Autor und Publikum im Begriff, ihren grundsätzlichen Charakter zu verlieren.”

Nun – dass Benjamin nur vom “Anspruch gefilmt zu werden” und nicht etwa vom “Anspruch zu filmen” sprach, verwundert nicht weiter: Hätte er damals das Internet gekannt und hätte er eine HDTV-fähige Kamera für wenig Geld und und mit wenig Fachwissen handhaben können, hätte Benjamin anders formuliert. Enscheidend ist jedoch, dass Benjamin die modernen Medien (dazu zählte damals auch die Fotografie und das Radio) und deren Nutzung durch die Masse grundsätzlich positiv sieht (ganz im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen). Youtube, der Open Source Film und andere Medienmanifestationen, die das Internet zum Teil verstärkt, zum Teil erst ermöglicht hat, repräsentieren vor diesem Hintergrund eine Form der Medienaneignung durch die Massen, der traditionelle Modelle zur Informationsverteilung und Entäußerung heftig infrage stellt.

Was wäre wenn es Holly-, Bolly- und die anderen Woods nicht mehr gäbe?

Susanne Gaschke leitartikelt in der Zeit vom 23.04. zur Verurteilung von Betreibern der Filesharing-Plattform Pirate Bay:

“Die Ideologen eines ‘befreiten Wissens’ mögen der Meinung sein, die elitäre ‘etablierte’ Kunst könne so leicht durch das unlektorierte Mitteilungsbedürfnis der Nutzermassen ersetzt werden wie der professionelle Journalismus durch Jedermann-Reporter; YouTube-Filmchen seien ohnehin kurzweiliger als großes Kino. Welche intellektuelle Finsternis droht uns, wenn sie sich irren?”

Ja, welche? Das ist eine wirklich gute Frage. Die notwenige Diskussion, wie wir mit Konzepten von Wissen, Patentrecht, Allmende, Copyright und digitaler Rechteverwaltung umgehen sollen, wird hier mit einer arroganten Haltung abgewürgt . Die Journalistin prognostiziert die Intellektuelle Finsternis:

Wenn wir es zulassen, dass die herkömmlichen Produktions- und Vertriebsmodelle von Musik-, Film- und der gesamten restlichen Kulturindustrie von Youtube & Co infrage gestellt werden, dann versinken wir in den Tiefen einer niveaulosen Massenkultur, in der sich jeder Hinz & Kunz zum Kulturproduzenten aufspielt.

Dass man mich hier nicht falsch verstehe: Ich wende mich nicht gegen die berechtigte Forderung, das intellektuelle Eigentum von Künstlern und Autoren zu schützen. Unangenehm ist jedoch der Reflex der bildungsbürgerlicher Arroganz, mit dem die hohe Kultur vor dem Aneignung durch die Massen geschützt werden soll und Qualität nur durch etablierte Kanäle gesichert scheint.

Noch einmal Benjanim: „Kultur ist die Beute, die die Herrschenden hinter sich herschleifen“. In diesem Sinn: Viel Spass mit Open Source Filmen und Youtube! (mb)

Links:

Alle Bookmarks zum Lichtspielabend „Open Source Filme“ wurden bei Bibsonomy abgelegt und über Tags zu thematischen Gruppen versammelt. Die Kollektion wird laufend erweitert: